Eisiges Vergnügen um den Maschsee
Lauf der Woche
Mittwoch, 08.02.2012
Ort: Hannover
Fahrtspiel: ein eisiges Vergnügen am Maschsee
Ich melde mich vom Dauerlaufen, Maschsee, drei Runden! Am Mittwochmorgen titelten die Zeitungen: um 11 Uhr ist es soweit! Die städtischen Beamten sollten um 11 Uhr die Dicke der Eisfläche messen, und dann, wenn es mehr als 13 / 15 / 20 Zentimeter wären (die Angaben variierten leicht) dann wäre er frei, der Maschsee. Dieser Augenblick wurde als großes Ereignis herbei geschrieben. Ein Medienereignis!
Um 11 Uhr lief ich nicht auf dem Maschsee, sondern drum herum. Es herrschte eine ruhige Beschaulichkeit.
Einige Läuferinnen und Läufer waren unterwegs, klar, die lassen sich doch nicht vom Sibirischen Hoch Dieter das Laufen verbieten. So weit kommt es noch, wegen Dieter nicht gelaufen und so. Doch ich sah auch vereinzelte Eisläufer, was bedeutete, die Messaktion war ein Erfolg. Gut, das war zu erwarten, denn Hannover sehnte sich doch so danach.
Zwei Kilometer später, war die Beschaulichkeit vorbei. Überall tauchten sie auf, die Medienleute. TV Kamerateams hier, TV Kamerateams da. Vom Südufer bis hinunter zur Nördlichen Ecke des Sees, überall Kameraleute. Dann die Fotografen, mit langen Teleobjektiven belagerten sie das Ufer. Einige gingen auf das Eis, fokussierten die wenigen Eisläufer, zoomten sie heran, mal im Gegenlicht, mal liegend, dann auf einer Mauer stehend.
Auf der Laufrunde war es wunderbar ruhig. Ich beschloss eine zweite Runde zu laufen. Keine Sau – nein, kein Kameramann - schenkte mir seine Aufmerksamkeit. Noch. Plötzlich hörte ich Kindergeschrei. Und tatsächlich tobten plötzlich 50 Kinder auf der Eisfläche. Sie schrien, schlitterten auf der Eisdecke dahin und im Nu hatten sich Rutschbahnen gebildet, auf denen die Kinder immer und immer wieder entlang sausten.
Und in der gleichen Sekunde schossen die Kameraleute heran. Wie eine wild gewordene Hyänengruppe tobten sie los, umzingelten die Kinder und….endlich Bilder! Bilder, Bilder, Bilder! Und klar führten sie Regie, zeigten wie die Kinder wo entlang schlittern sollten. Auf der Eisfläche waren bestimmt ebenso viele Kameraleute wie Kinder.
Dann sah ich einen Radfahrer auf der Eisfläche fahren. Zwei Kamerateams filmten von der Seite, auf wildes Gestikulieren des Kameramannes umkurvte der Radfahrer die Kameraleute und fuhr auf sie zu, dann von ihnen weg, dann wurden wieder Bilder vom Profil geschossen. Das wird ein Kinofilm dachte ich. Da hielt mich ein Kamerateam auf. „Ob ich nicht kurz über das Eis laufen könnte? Das wäre doch ein schönes Bild.“ „Nein“, sagte ich. „Auf dem Eis gibt es keine Kilometer Markierungen.“ Ich ließ ihn stehen, lief weiter. Ich musste ja nicht lange erklären, dass für mich eine neue Zeitrechnung begonnen hatte, dass ich nur noch ohne Uhr laufe, zeitlos, nach Gefühl.
Allmählich überkam mich der Gedanke, dass die Kameraleute nicht nur mich gefragt haben, aufs Eis zu gehen - wegen dem schönen Bild. Bestimmt waren die in einer Schule. Klar, zwei Klassen mussten raus aufs Eis - wegen den Bildern. Alles nur gestellt, inszeniert. Und es hatte noch einen sehr praktischen Nebeneffekt. So konnte überprüft werden, ob die Eisfläche hält. Nicht auszudenken, was für Bilder.
