Unser Kolumnist hat sich wieder ins Teilnehmerfeld eines Dorflaufs gestürzt. Dieses Mal in Neresheim. Und dort ist man besser organisiert als in unserer Hauptstadt
Neresheim – Ostalbkreis – 7954 Einwohner – Härtsfelder Panoramalauf – 370 Teilnehmer – 6/10/21 Kilometer
Ob das gut geht? Am Tag des Härtsfelder Panoramalaufes in Neresheim sollte dort die Bürgermeisterwahl stattfinden. Doch Thomas Häfele war entspannt. Er stand guter Laune am Start und bedankte sich bei den Machern des Laufes. Zum Bürgermeister Thomas Häfele komme ich später, jetzt erst mal zum Lauf. Als es nach dem Startschuss den ersten kleinen Hügel hochging und ein Streckenposten mit lautem Lachen rief: „Den steilsten Berg habt ihr geschafft“, hätte ich eigentlich misstrauisch werden müssen. Denn schon nach 3 Kilometern kam der nächste Anstieg. Diesmal länger und steiler.
Oben erwartete uns eine schöne Überraschung: mitten auf dem Feld ein Traktor mit Anhänger. Das war nicht die Überraschung, die saß auf dem Anhänger: die Maimusikanten aus Ohmenheim. Und weil außer abgeerntetem Acker sonst wirklich nichts drumrum war, war es großartig. Mit beschwingter Musik bogen wir auf der Anhöhe auf eine lange Gerade. Wir hatten uns in einer Kleingruppe zusammengefunden. Drei Leute. Vor uns konnte ich sieben Läufer zählen. Drei waren an der Spitze enteilt. „Zwei bekommen wir noch“, sagte ich meinen zwei Mitstreitern. „Wie kommst du darauf?“, wollte einer wissen. „Statistik“, sagte ich, „zwei werden immer müde, sind zu schnell los oder fußkrank.“ „Dann hoffen wir mal, dass wir nicht zu den zweien gehören“, bekam ich zur Antwort.
Nach fünf Kilometern liefen wir auf eine wunderschöne Kirche zu. Ach, dachte ich, das Kloster Neresheim. In Wirklichkeit war es die Kirche vom kleinen Weiler Auernheim. Für mich hätte es schon als Kloster durchgehen können. Als wir dann um die Spitzkehre am Fuße von Auernheim gelaufen waren, sah ich das wahre Kloster Neresheim vor mir: imposant, wie es da oben am Hügel über dem Tal schwebt. Sorry, lieber Herr Abt, dass ich es mit der lieblichen Kapelle von Auernheim verwechselte. Das Kloster Neresheim kam in die Schlagzeilen, als der heutige Abt vor einigen Jahren ein geheimes Bankkonto seines Vorgängers mit 4,3 Millionen Euro entdeckte. Kurz, zwischen Kilometer 6 und 7, mit Blick aufs Kloster, dachte ich, es wäre schön gewesen, hätte ich als erster Vorsitzender der LAV Tübingen von meinem Vorgänger auch ein geheimes Konto mit 4,3 Millionen entdeckt und nahm mir vor, den Abt zu fragen, wie man so was findet.
Wir hatten den ersten Läufer fast eingeholt. Wir ist übertrieben. Meine zwei Mitstreiter hatten sich dazu entschieden, zum anderen Teil der Statistik zu gehören. Ich hingegen kam meiner Quote, zwei Läufer werden immer müde, näher. Ich konnte den Aufdruck auf seinem Rücken bereits lesen. Sonnentechnik Häfele. Ach nein, war das der Bürgermeister? Nein, es hieß Sonnentechnik Häufner. Oder Häuffer? Egal, jedenfalls war ich dran. Apropos Bürgermeister. Als ich ihn kurz vor dem Start an die damalige Bundestagswahl und den zeitgleich stattfindenden Berlin-Marathon erinnerte und daran, dass damit einhergehende Probleme in Teilen zur Annullierung der Wahl führten, meinte er lachend: „Zu Berlin gibt es einen großen Unterschied. Wir sind besser organisiert.“
Kurz vor Kilometer acht ein kurzer, steiler, knackiger Anstieg (so viel zum Zuruf bei Kilometer 1), dann war ich dran am Kollegen mit der Sonnentechnik. Doch er wehrte sich. (Neresheim? Was ist da eigentlich los?) Bei der Bergabpassage von Kilometer 8 auf 9 beschleunigte er sogar. Ein Unding! Denn bergab liegt mir nicht. Meine Statistikvorhersage muss ich wohl modifizieren. Im Ziel suchte ich den Bürgermeister vergeblich. Klar, es war Wahltag. Und im nächsten Jahr, das hat er mir versprochen, läuft er mit. Der Härtsfelder Panoramalauf? Ein Leckerbissen! Rundherum.
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